Beim Hausbau oder der Altbaumodernisierung stehen meist Optik, Kosten und manchmal auch die Raumaufteilung im Vordergrund. Wir denken weniger darüber nach, wie sich unsere Materialauswahl auf den Energieverbrauch auswirkt. Und dennoch hat es über viele Jahre hinweg direkte Auswirkungen auf die Rechnungen und den Wohnkomfort.
Welche Dämmstoffe haben den größten Einfluss auf die Energieeffizienz eines Gebäudes?
Die Wärmedämmung steht im Vordergrund. Entgegen dem Anschein geht es nicht nur darum, „viel“ und „dick“ zu sein. Ausschlaggebend ist der Wärmeleitkoeffizient, also Lambda (λ). Je niedriger, desto besser.
Zu den besten Materialien in dieser Hinsicht zählen:
- Holzwolle – ökologisch, atmungsaktiv, speichert Wärme perfekt. Wenig bekannt, aber eine Überlegung wert.
- PUR-Schaum (Polyurethan) – bietet eine hervorragende Isolierung, man sollte jedoch bedenken, dass geschlossenzelliger Schaum das Gebäude „ersticken“ kann, wenn er nicht richtig konstruiert ist.
- Mineralwolle (Glas, Stein) – ein Klassiker. Bietet gute Isolierung, Feuerbeständigkeit und gute Akustik.
- Zellulose – wird aus alten Zeitungen hergestellt, hat hervorragende isolierende und ökologische Eigenschaften und sorgt zudem für ein angenehmes Mikroklima in Räumen.
Es gibt Menschen, die sich für extreme Lösungen entscheiden, beispielsweise Aerogel, das in der Weltraumtechnologie verwendet wird. Es ist sehr leicht, aber auch sehr teuer. Dies ist eine Option für Enthusiasten oder Investoren mit großem Budget.
Was sind die häufigsten Mythen über Energiesparmaterialien?
Davon gibt es viele. Einer der größten Gründe ist die Annahme, dass eine gute Isolierung ausreicht, um ein Haus energieeffizient zu machen. Die Wahrheit ist, dass alles als System funktioniert – Wände, Dach, Fundament, Fenster, Belüftung. Wenn eines dieser Elemente versagt, verlieren die übrigen ihre Wirksamkeit.
Ein weiterer Mythos ist: „Moderne Materialien sind immer besser.“ Das ist nicht wahr. Manchmal kann ein einfaches, natürliches Material, das gut konzipiert und sinnvoll eingesetzt wird, bessere Ergebnisse erzielen als die fortschrittlichste Technologie. Darüber hinaus ist es atmungsaktiv, vergiftet nicht und wird auch nach vielen Jahren nicht zu schwer zu entsorgendem Abfall.
Führt die Materialauswahl wirklich zu Einsparungen?
Ohne Zweifel. Die Unterschiede können enorm sein. Ein Haus aus sorgfältig ausgewählten Materialien und unter Berücksichtigung ihrer thermischen Eigenschaften kann bis zu 60–70 % weniger Energie zum Heizen verbrauchen als ein ähnliches Gebäude, das in Eile und ohne Berücksichtigung dieser Probleme gebaut wurde.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Freund von mir hat ein Haus aus Blähbeton gebaut, stark mit Zellulose gedämmt, mit Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Rechnungen im Winter? Lustig. Komfort? Phänomenal, warm, trocken, keine Zugluft. Außerdem hat er die Gewissheit, kein Geld zu verschwenden.
Energieeffizienz im Bauwesen ist keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern eine Notwendigkeit. Steigende Energiepreise, Klimawandel, neue Vorschriften – all das deutet darauf hin, dass Energiesparlösungen die Zukunft gehören. Und die Wahl der richtigen Materialien ist der erste Schritt, der sorgfältig überlegt sein sollte. Dabei handelt es sich um Entscheidungen für viele Jahre, nicht nur für die Bauzeit.
Wählen Sie Materialien auf der Grundlage ihrer Isolierung, Haltbarkeit sowie ihrer Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt aus. Und scheuen Sie sich nicht, auch nach weniger bekannten Lösungen zu greifen, denn sie erweisen sich oft als Volltreffer.
Alexander Vogel
